Mobivortragsreihe

Es sind nur noch einige Tage bis zur Europa- und Kommunalwahl. Dabei wird sich der Rechtsruck der letzten Jahre sowohl im europäischen Parlament, als auch in den Gemeinde- und Stadträten manifestieren.
Der Wind ist in letzter Zeit rauer geworden. Sowohl im sächsischen Parlament, wo pünktlich zum Beginn des Wahlkampfs das neue Polizeigesetz verabschiedet wurde, mit dem die Überwachung und Repression gegen uns stark vereinfacht werden, aber auch auf der Straße. So sind die Bilder von Menschen jagenden Nazis letzten Sommer aus Chemnitz noch immer präsent. Aber auch Abseits von diesen Großevents, gab es immer häufiger Angriffe auf Geflüchtete, Andersdenkende und Menschen, die sich nicht in das faschistische Weltbild einfügen.
>>Fridays for Future<< zeigte in den letzten Monaten exemplarisch, dass mit lautem kraftvollen Protest, auch durch Menschen, denen in diesem Land das Recht auf politische Beteiligung versagt ist, ein Thema nicht weiter totgeschwiegen werden kann.
Durch den aktiven Protest von Schüler*innen, die freitags die Schule schwänzten, um für Klimaschutz zu demonstrieren, konnte dieses Thema weltweit auf die Tagesordnungen der Politiker*innen gesetzt werden.
Täglich werden wir mit Sexismus, Bodyshaming und Rumgemacker konfrontiert. Lehrer*innen, Ausbilder*innen oder Vorgesetzte schikanieren uns. Wir werden aufgrund unserer Sexualität angefeindet. Und auch hier lassen sich noch viele weitere Punkte aufzählen.

Es ist Zeit für Veränderung! Wir sind die Jugend, es liegt jetzt an uns!

Wir wollen gemeinsam mit euch über unsere Probleme sprechen, wollen zusammen nach Perspektiven suchen und überlegen, wie wir eine solidarische Gesellschaft gestalten können.
Kommt zum Vortrag und der Diskussion!
Kommt am 1. Juni auf die Straße!
Fight for your Future!

20. Mai Conne Island, Leipzig 19 Uhr
23. Mai Treibhaus, Döbeln 18 Uhr
25. Mai Galle (Am Galgenberg 2a), Halle 18:30 Uhr

Aktualität rechter Gewalt in Sachsen

In vergangen Jahren fielen Rechte und rechte Strukturen immer wieder durch Gewalttaten auf. Einige Beispiele aus Chemnitz, Leipzig und Wurzen wollen wir vorstellen.

Chemnitz

Asylsuchendenunterkunft Einsiedel / Dittersdorfer Weg
Im April 2016 mündete die wochenlange Belagerung durch rassistische Proteste im Stadtteil Einsiedel in einem Brandanschlag auf das ehemalige Pionierlager. Dabei landeten 3 Molotov-Cocktails ca 3 Meter vor den Häusern 16 und 17 im Gras. In den beiden Häusern waren zu diesem Zeitpunkt 21 Schutzsuchende untergebracht, darunter viele Kinder. Bei diesem Angriff wurde der potentielle Tod dieser Menschen in Kauf genommen.

Bäckerei Zozan / Jakobstraße
Im Januar 2018 wurde die kurdische Bäckerei auf dem Sonnenberg großflächig mit SS-Runen und Hakenkreuzen beschmiert. Dabei entstand ein Schaden von ca 11.000€. Die Täter, drei Männer im Alter zwischen 19 und 24 Jahren, wurden kürzlich zu Arrest, Geldstrafen und Sozialstunden verurteilt. Der Besitzer der Bäckerei sagte in der Gerichtsverhandlung aus, dass er Angst habe, weil einer seiner Fahrer nach dem Farbanschlag entführt worden sei.
Der Fahrer arbeitet seit Anfang Oktober 2018 in der Bäckerei. Am 22. Oktober sei er in Flöha von vier deutschsprachigen Männern mit vorgehaltener Pistole in einem Transporter entführt worden. Sie seien in den Wald gefahren und hätten seine Augen verbunden und Hände gefesselt, ihn beleidigt und ihm zu verstehen gegeben, dass er das Land verlassen solle. “Ich dachte, sie bringen mich um”, erinnert sich der Fahrer. Ihm sei ein ausgedrucktes Porträt seines Chefs gezeigt worden, welches mit einem roten Kreuz durchgestrichen war. “Alle Flüchtlinge sind für uns ein Problem”, soll ein Mann gesagt haben. “Sag deinem Chef und allen Flüchtlingen, dass es so weitergehen wird, wenn sie nicht verschwinden”. Die übrigen Männer hätten das Seil an seinen Händen durch seine eigenen Schnürsenkel ersetzt, die Schuhe mitgenommen und ihn allein im Wald zurück gelassen.

Karl-Marx-Monument
Seit dem 26. August 2018 wurde Daniels Tod beim Stadtfest zu politischen Großevents durch Faschist*innen von Parteien und Bürgerbewegungen wie Pro Chemnitz, Pegida, Afd, dem Dritten Weg und der Identitären Bewegung und autonom organisierten Nazigruppierungen wie rechten Hooligans aus dem CFC-Umfeld instrumentalisiert. An den progromartigen Ausschreitungen nahmen längst bekannte Neonazis mit entsetzlichen Straffäligkeiten teil, welche in extrem rechten Strukturen aktiv sind, die auch vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Im Zuge der rechten Demonstrationen kam es zu Menschenjagden und unzähligen Angriffen auf people of colour, Gegendemonstrant*innen, ausländischen Lokalen und linken Einrichtungen. Seitdem laufen über 170 Ermittlungsverfahren gegen rechten Demonstrant*innen wegen Hitlergrüßen, verfassungswidrigen Kennzeichen, Landfriedensbruchs, Widerstand gegen Vollzugsbeamte, Sachbeschädigung, Körperverletzung und vielen anderen Straftaten.

Schalom, jüdisches Restaurant / Heinrich-Zille-Straße
Seit der Eröffnung 2000 wurde das Restaurant wiederholt attackiert. Faschist*innen verübten antisemitischen Anschläge wie einem abgetrennten Schweinskopf vor der Tür, rechten Parolen an den Wänden oder Entglasungen und verursachten somit Sachschäden von mehreren zehntausend Euro. Nachdem das Schalom zum dritten Mal seinen Standort gewechslt hat, erfolgte am 27. August 2018 ein Angriff von ca 12 Personen mit Eisenstangen und Steinen auf das Restaurant. Der Besitzer wurde dabei von einem Stein an der Schulter verletzt, eine Scheibe wurde eingeschlagen. Aus der Gruppe der Täter wurde „Hau ab aus Deutschland, du Judensau!“ skandiert.#

Schlossteichinsel
Mitte September 2018 wurde eine Gruppe von Deutschen, Pakistanern und Iranern von einer 15-köpfigen Männergruppe angegriffen, die sich als Bürgerwehr bezeichnete und mit Flaschen, Quarzhandschuhen und einem Elektroschocker bewaffnet war. Sie kontrollierten Personalien, schrien rassistische Beleidigungen und fügten einem Iraner mit einer Flasche eine Platzwunde am Kopf zu. Gegen sechs der Angreifer wurde daraufhin wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Am 1. Oktober wurden sechs der Tatverdächtigen wegen des Vorwurfs zur Bildung der rechtsterroristischen Vereinigung „Revolution Chemnitz“ nach §129a festgenommen.

Safran, persisches Restaurant / Promenadenstraße
Am 07. Oktober 2018 griffen drei Männer in Motorradmontur den Besitzer an. Er wurde mit der Einrichtung seines Restaurants beworfen, gewürgt und in den Bauch geschlagen und musste daraufhin mit Platzwunde ins Krankenhaus eingeliefert werden. Er wurde eine Woche stationär behandelt und hat nun immer noch Schmerzen im Rücken. Einer der Männer soll beim Betreten des Lokals den Hitlergruß gezeigt haben. Zuvor wurde das Safran bereits drei mal mit Hakenkreuzschmierereien und Sachbeschädigungen konfrontiert.

Mangal, türkisches Restaurant / Straße der Nationen
Am 18. Oktober 2018 gipfelten die faschistischen Ausschreitungen im Herbst 2018 in einem Brandanschlag auf das Mangal.
Anwohner*innen berichteten von einer lauten Detonation und drei maskierten Männern, die den Tatort kurz darauf in ihrem davor geparkten Wagen verließen. Das Lokal brannte vollständig aus. Durch die Detonation wurde der Putz des Kosmetiksalons im Erdgeschoss des Nachbarhauses beschädigt, ebenso wie Teile der Brandschutzdecke im Mangal. Darüber befinden sich 11 Wohnungen. 17 Bewohner*innen des Hauses mussten in Sicherheit gebracht werden. Der Schaden in dem Restaurant und an dem Wohnhaus betragen ca 750.000 €. Brandexperten gehen von mindestens 100 L Benzin aus, welches komprimiert entzündet wurde.
Am 29. Oktober 2018 wurden 320 Hakenkreuze mit Durchmessern von 10-50 Zentimetern über das gesamte Gelände des Sportplatzes am Harthwaldes Heckert-Gebiet verteilt. Zwei Monate später, im Dezember, wurden erneut über 1000 Hakenkreuze hinterlassen. Insgesamt erlitt der Verein, welcher sich klar gegen Rechts positioniert, einen Schaden von mehreren Tausend €. Auch das indische Restaurant “Bombay Palast” auf der Straße der Nationen musste Schäden erleiden. Die Autoreifen des Inhabers seien mehrmals zerstochen gewesen und es habe Einbruchsversuche gegeben.

Am 1. Juni wollen die Faschisten in Chemnitz den Tag der deutschen Zukunft begehen, Dies gilt es zu verhindern und den Nazis den Tag zu versauen.

Wurzen
Mitte Januar 2018 kommt es an einem Freitag Abend zu einer Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe rechter Jugendlicher und einer Gruppe Asylsuchender. In deren Folge zwei Deutsche verletzt wurden. Um sich dafür zu rächen, greifen die rechten Jugendlichen noch in der selben Nacht das Wohnhaus an in dem die Geflüchteten wohnen und zerstören dort Scheiben.Am Wochenende darauf wird eine antifaschistische Kundgebung, welche auf rassistische Probleme in Wurzen aufmerksam machen will, von vermummten Nazis bedroht, welche u.a. mit Macheten, Teleskopschlagstöcken und Pfefferspray bewaffnet sind.
Das rechte Gewalt in Wurzen kein Einzellfall ist, zeigt auch ein Fall aus dem Februar 2018, als zwei vermummte Männer eine 19-jährige schwangere Frau aus Eritrea vor ihrer Wohnungstür erst rassistisch beleidigen und dann schlagen und treten.

Leipzig
Auch in Leipzig kam es im vergangenem Jahr immer wieder zu Gewalttaten mit rassistischem Hintergrund.
Als Beispiel soll hier ein Fall aus dem August 2018 gennant werden. Eine Frau wird mit ihren drei Kindern in einer Straßenbahn zunächst bespuckt und mit Sätzen wie “Geht in euer Land zurück” beleidigt und dann vor den Augen ihrer Kinder geschlagen und getreten.
Ein weiter Fall zeigt die Folgen von diskriminierendem Verhalten. Im Juni 2018, wird eine Trans*person vor der Morizbastei in der Leipziger Innenstadt angegriffen, dabei wird ihr die Nase gebrochen. Der Täter konnte einfach weggehen und später die verletze Person noch in der Notaufnahme der Uniklinik suchen und auslachen.
Aber auch im gesamten Stadtgebiet werden die Aktivitäten von Nazis sichtbar. Exemplarisch sollen hier die Stadteile Taucha und Groß-/Kleinzschocher genannt werden.
So tauchen in Taucha immer wieder rechte Sticker und Schmierereien wie etwa “Nazi-Kiez” oder “NS-jetzt” auf. Außerdem wurde das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Taucha mit dem Schriftzug “Und was ist mit unseren Opfern” beschmiert. Bei einem Spiel des linken Fußballvereins Roter Stern Leipzig in Taucha posierte eine Gruppe Jugendlicher mit einer schwarz-weiß-roten Fahne und skandierte “frei-sozial-national”.
Auch in Klein- bzw. Großzschocher wurden immer wieder rechte Sticker verklebt oder Schmmiereien angebracht. So wurden etwa einige Stromkästen immer wieder schwar-weiß-rot lackiert. In dieses Muster passt auch der Angriff auf eine Person die einen Sticker mit der Aufschrif “I love Hitler” entfernen wollte angepöbelt und bedroht.

Identitäre Bewegung
Leipzig hat mit dem Youtuber Alexander “Malenki” Kleine eine Szenegröße der Identitären Bewegung. Und so auch eine aktive Ortsgruppe. So wurden im letzten Jahr immer wieder Sticker, Plakate und Flyer verteilt. Etwa wurden in der Universitäts Biliothek, in Geschichtsbücher Flyer der IB gelegt um so Aufmerksamkeit zu generieren. Ähnlick funktionieren auch die Banner-Aktionen die immer wieder gemacht oder versucht werden, wie etwa im Juni 2018 als die IB anlässlich des Bachfestes am Alten Rathaus eine Transparent aufhängt, welches für ganze zwanzig Minuten dort zu sehen war.
Auch besuchten die Leipziger Aktivist*innen die “Europa Nostra- Identität und Heimat bewahren” Veranstaltung in Dresden. Besonder fiel dort der schon erwähnte Alexander “Malenki” Kleine auf, welcher zusammen mit seinen FreundInnen Journalist*innen bedrohte und angriff. Er wird dann auch von der Polizei festgenommen.
Aber dies ist nicht der erste Fall der zeigt, dass die “hippen” AktivistInnen der Identitären Bewegung nicht vor Gewalt zurückschrecken. So wurden im November 2017 zwei Zivilpolizisten von gepanzerten und bewaffneten Personen aus dem Haus der Kontrakultur Halle, mit den die Leipziger*innen sehr gut vernetzt sind, “vesehentlich” angegriffen.
Auch besuchte der Identitären Chef aus Österreich Martin Sellner Leipzig. Dieser traute sich sogar Sonntag morgens nach Connewitz und berichtete in einem Video über seinen Traum das Conne Island zu einem “coolen, identitären Neofolk-Club” zu machen.

Selbstverständnis

Wir sind Jugendliche aus verschiedenen Subkulturen und linken Strömungen, die mit dem Ziel zusammengekommen sind einmal im Jahr einen Tag mit unseren Inhalten, Sorgen und Forderungen besetzen zu können.

Unser Aufwachsen und unsere Jugend ist geprägt von der Finanzkrise 2008 und ihren Folgen, der sogenannten „Flüchtlingskrise“ ab 2014 (die unserer Ansicht eher eine Krise der Menschlichkeit ist) und der sich seit Generationen verschlimmernden Klimakrise. Wir wurden in diese Probleme hineingeboren und doch haben wir nur sehr begrenzte Möglichkeiten der Mitgestaltung. Das Bildungssystem, das uns zu „mündigen Bürgern“ erziehen soll, ist eine Farce und reproduziert die herrschende Ordnung während sie uns gleichzeitig unter Druck setzt und unsere Möglichkeiten der freien Selbstentfaltung eingrenzt. Wir werden aussortiert und nach Bedarf in das Wirtschaftssystem eingegliedert. Manche haben Glück und werden vielleicht so etwas wie Erfüllung in ihrer Arbeit finden. Doch für den Großteil der Menschen ist das nur eine schöne Vorstellung. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Denn unser Wirtschaftssystem ist nicht auf unsere Bedürfnisse und Fähigkeiten ausgerichtet, sondern auf Profit und die Ansammlung von Kapital. In dieser Logik sind faire Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und unserere Umwelt immer ein Negativposten für die Interessen der Kapitaleigentümer. Denn jede Rücksichtnahme auf diese „Hindernisse“ schmälert den Profit. Unsere Bedürfnisse zählen nur wenn wir zahlen können.
Ebenfalls in die Zeit unseres Aufwachsens, und des immer genaueren Erkennens der Dynamiken und Tendenzen dieser Gesellschaft, fällt die Enttarnung mehrerer rechter Terrorgruppen. Die Gruppe die am meisten Morde zu verantworten hat, der NSU, konnte über Jahre hinweg ungestört agieren. Die Sicherheitsbehörden des Staates schauten weg, bis sich der NSU schließlich selbst enttarnte. Wir sind skeptisch und glauben nicht an die Trio-Theorie. Wir gehen davon aus dass die terroristische Rechte über Strukturen und Unterstützer*innen in vielen Teilen Deutschlands verfügt. Dieser Sumpf muss trockengelegt werden. Es ist ernüchternd und besorgniserregend wenn wir das immer selbstbewusstere Auftreten der Rechten, ihrer Parteien und Fußsoldaten, im Kontext dieser Bedrohung verstehen. Diese Kräfte arbeiten an einem nationalistischen Projekt das schwerwiegende soziale, kulturelle und ökologische Folgen für unser Miteinander haben wird. Wohin die rechte Reise geht zeigen Länder und Gesellschaften wie Ungarn oder Russland, deren Regierungen mehr oder weniger offen von den Rechten hierzulande beneidet werden. Doch noch ist nichts entschieden.

Aus unserem historischen Verständnis der Jugend als verändernde Kraft folgt, dass wir uns dieser Aufgabe stellen müssen. Es ist an der Zeit das wir als Jugend eine Haltung zu den Problemen unserer Zeit entwickeln, uns organisieren und aktiv werden. Wie können wir dem Rechtsruck und der Faschisierung unserer Gesellschaft entgegenstehen? Wie lässt sich das Klimadesaster noch abwenden? Wie können wir uns eine solidarische Alternative zum vorherrschenden Wirtschaftssystem vorstellen? Zur Lösung dieser Fragen hat die Politik der Perspektivlosigkeit, wie sie von den großen Parteien in der BRD betrieben wird, nichts beizutragen. Wir müssen uns selbst fragen in welcher Gesellschaft und Zukunft wir leben wollen. Niemand wird uns diese Pflicht abnehmen. Wir haben keinen Bock mehr auf den rassistischen Normalzustand, den Leistungsdruck in Schule, Studium und Beruf. Der Vereinzelung und Vereinsamung unserer Zeit wollen wir unsere Freundschaft und Solidarität entgegensetzen. Wir können nicht zulassen dass diese Welt vor unseren Augen kaputt geht. Wir werden unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen, denn kein*e Politiker*in wird uns retten. Nur wir selbst können eine Welt erschaffen in der wir ohne Angst, selbstbestimmt und frei leben können.
Deshalb wird der 1.6. unser Tag, wir wollen vom internationalen Kindertag zu einem gemeinsamen Tag der Jugend kommen. Dafür brauchen wir deine Unterstützung und auch die deiner Freund*innen.
Zusammen für einen kraftvollen ersten Tag der Jugend.
Fight for your Future!

TDDZ verhindern!

An dieser Stelle möchten wir den Aufruf unserer Chemnitzer Genoss*innen von VETO teilen. Wir erklären uns solidarisch mit ihrer Demonstration und möchten alle erfahrenen Antifaschist*innen dazu aufrufen am 1. Juni erst nach Chemnitz zu fahren. Unsere Demonstration in Leipzig findet erst gegen Abend statt, also besteht hier vermutlich die Möglichkeit sich, nach der hoffentlich gelungenen antifaschistischen Intervention, unserer Demonstration anzuschließen.

Der Aufruf wurde ursprünglich hier veröffentlicht: https://veto.noblogs.org/post/category/notddzinkms/aufruf/

Auf allen Ebenen mit allen Mitteln!

Beim „Tag der deutschen Zukunft“ handelt es sich derzeit um einen der größten faschistischen Aufmärsche in der BRD, welcher jedes Jahr in einer anderen Stadt stattfindet. Erstmals fand der sog. TddZ 2009 in Pinneberg statt – organisiert von freien Kameradschaften. Den Höhepunkt erreichte der TddZ 2016 in Dortmund mit gut 1000 Teilnehmenden. Später wurde er von dem Umfeld der faschistischen Kleinstpartei Die Rechte getragen, welche aus der militant agierenden Kameradschaft „Nationaler Widerstand Dortmund“ (NWDO) hervorging.

Nach mehrfach erfolgreicher antifaschistischer Intervention – von Blockaden über direkte Aktionen bis zur Behinderung der Anreise der Faschist*innen – ist die Teilnehmerzahl in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Um diesem Trend entgegen zu wirken und mit vielen Anhänger*innen marschieren zu können findet der TddZ 2019 in Chemnitz statt.

In Chemnitz rechnen die Faschist*innen nicht nur mit wenig Widerspruch aus der Gesellschaft sondern auch mit der Unterstützung der sächsischen Polizei, welche schon den Nazi-Aufmarsch vom Dritten Weg am 1. Mai 2018 mit besten Mitteln schützte.

Wir als [veto] rufen alle abkömmlichen Antifaschist*innen zum entschlossen Widerstand gegen den faschistischen Einmarsch auf. Lasst uns gemeinsam den Aufmarsch von bürgerlichen und militanten Neonazis verhindern und den Tag der deutschen Zukunft zu Grabe tragen!

Keine Straße den Faschist*innen!

Fașizme Geçit Yok!

#NoTddZ“

Fight the Fascists! Fight for your Future!

 

Historischer Hintergrund

Für einen revolutionären Tag der Jugend am 1.6.2019 in Leipzig

Woher kommt der internationale Kindertag?
Die Geschichte des Kindertages ist eng verbunden mit der Bewegung für Kinderrechte die sich ab dem Anfang des 20. Jahrhunderts formierte um auf die Schutzbedürftigkeit von Kindern hinzuweisen und sich für gewisse Grundstandards im Umgang mit Kindern stark zu machen. Ein Beispiel wäre die Abschaffung der Prügelstrafe. In Europa fanden diese Ideen unter Anderem großen Widerhall in der Arbeiter*innenbewegung. Dies ist nicht erstaunlich wenn wir bedenken dass die Kinder der Arbeiter*innen vermutlich den schwersten Problemen ausgesetzt waren. 1931 wurde in Wien im Zuge der zweiten Arbeiterolympiade am 19. Juli ein „Fest des Kindes“ gefeiert und für dieses Datum ein internationaler Kindertag ausgerufen. Aufgrund der politischen Lage und des europaweiten Erstarken des Faschismus wurde dieser Feiertag aber später nicht mehr regelmäßig begangen.

Internationale Demokratische Frauenföderation und der Kampf um Kinderrechte
Nach der militärischen Niederlage Nazideutschlands und der faschistischen Achse wurde von linker Seite wieder verstärkt über die Etablierung eines Kindertages nachgedacht. So auch auch von Antifaschistinnen die sich nach 1945 in der „Internationalen Demokratischen Frauenföderation“ (IDFF) organisierten. Die IDFF fungierte in dieser Zeit als eine Art Dachverband antifaschistischer Frauenorganisationen und rief während ihres zweiten Weltkongresses 1948 den internationalen Kindertag für den 1. Juni aus. Doch bald kamen die jeweiligen Landesgruppen der IDFF im sogenannten Westen in Bedrängnis. Nachdem sie 1949 in den USA als kommunistische Frontorganisation eingestuft und in Frankreich verboten wurde musste sie ihren Hauptsitz nach Ost-Berlin verlegen.

Im sogenannten Osten, also auch hier in Leipzig, wurde der „internationale Kindertag“ ab dem 1.6.1950 als Feiertag eingeführt. Im Vergleich zu Westdeutschland hatte es tatsächlich einige Verbesserungen im Zusammenhang mit Kinderrechten gegeben, so wurde beispielsweise die Prügelstrafe in der sovietischen Besatzungszone 1945 abgeschafft. Lehrer*innen im Westen durften bis 1973 prügeln, in Bayern sogar bis 1983. Aber ob die von der SED vorgegebenen Inhalte auf den staatlichen Veranstaltungen, welche im Namen eines autoritären Sozialismus organisiert wurden, die realen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen aufgriffen und thematisierten darf natürlich bezweifelt werden.

Kindertag im Westen
Auch in der BRD wurde 1954 ein „Weltkindertag“ als Feiertag für den 20. September festgelegt. Gesellschaftlich erfuhr dieser Jahrestag in Westdeutschland jedoch nie eine vergleichbare Bedeutung wie sein ostdeutsches Gegenstück.
Das Datum bekam erst 1989 im Jahr der Unterzeichnung der UN-Kinderrechtskonvention, die wir uns im folgenden auch genauer besehen wollen, wieder Aufmerksamkeit. Seitdem verhält sich die Bundesregierung jährlich zu den Festlichkeiten: Regierung und Ministerien geben Pressemitteilungen ab und in Berlin findet ein großes Fest mit ca. 100.000 Teilnehmenden unter der Schirmherrschaft des Familienministeriums statt.

Vom internationalen Kindertag zum revolutionären Tag der Jugend
So richtig es auch ist die Bedürfnisse von Kindern und der zukünftigen Generation in den Fokus zu rücken, so wenig sehen wir den real existierenden Weltkindertag als ein Event das den drängenden Fragen unserer Zeit eine Antwort geben könnte. Wir sind uns natürlich bewusst das wir diese Antworten alleine auch nicht geben können, vielleicht auch gar nicht sollten. Unser Anliegen findet sich eher in einer kleinen Verschiebung der Bedeutung des Tages. Anstatt darüber zu beraten was das beste für „die Kinder“ sein könnte, also für sie zu Politik zu machen und über sie zu entscheiden, wollen wir die Jugend fragen was sie denkt. Denn: die Kinder von heute und von gestern wissen besser darüber Bescheid was ihre Bedürfnisse sind als das Familienministerium. Wir wollen uns inhaltlich nicht so sehr ent-solidarisieren mit den Inhalten des Kindertages und bspw. Unicefs denn auch wir sind bestürzt über die Lage der Menschen unserer Generation und jünger überall auf der Welt. Vielmehr wollen wir diesen Tag mit einer Form der Politik füllen die es der Jugend ermöglicht ihre Themen selbst zu setzen und sich selbst zu organisieren.
Deshalb soll unsere Demonstration eine Bühne sein für alle Jugendlichen und jugendpolitischen Gruppen die etwas zu sagen haben. Wir möchten eurem Aktivismus Raum geben und hoffen auf ein Zusammenwachsen einer Vielfalt von Akteur*innen um die Probleme unserer Generationen aufzugreifen, erkenntlich zu machen und sie anzugehen.

Fight for your Future!

Aufruf 1.6.

Anfang September 2019 stehen Landtagswahlen in Sachsen an. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird sich auch dort der allgegenwärtige Rechtsruck niederschlagen. Mit rassistischen Parteien wie der AfD kann sich der braune Sumpf Sachsens ohne breiten Widerstand legitimieren und wird immer gesellschaftsfähiger. Ziemlich zeitgleich wird das neue Polizeigesetz mit unzähligen Einschränkungen für jeden Einzelnen in Kraft treten und mit aller Härte durchgesetzt. Ein Gesetz, das jeden von uns trifft, so unterschiedlich wir auch sind und so unterschiedliche Ziele wir verfolgen, teilen wir doch diese eine Liebe zur Freiheit.

Wir als die Jugend haben keine Lust, uns unsere Zukunft versauen zu lassen, die schon jetzt durch Ausbeutung und Zerstörung unseres Planeten ohnehin mehr als gefährdet ist. Die Vernichtung von Lebensraum und die Erderwärmung beflügeln das massenhafte Artensterben und zwingen die Menschen zu Massenflucht, weil ganze Landstriche unbewohnbar gemacht werden. Gleichzeitig wird unsere Freiheit durch neue Polizeigesetze mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten des Staates genommen und alles, was nicht ins Normalbild passt, beschnitten und gefügig gemacht. Das trifft auch Leute, die nicht in das herrschende Bild eines Mannes oder einer Frau passen oder sich gegen patriarchale Zwänge und Herrschaftsformen stellen. Die Geschlechterklischees sind durch Popkultur und Leitbilder auch besonders in der Jugend verankert, wodurch Slut- und Fatshaming ebenso wie Mobbing und Ausgrenzung zum Alltag werden. Bereits in der Schule wird uns das Leistungsprinzip dieser Gesellschaft eingetrichtert. Die Selbstoptimierung führt schon im jungen Alter bei vielen von uns zu psychischem Druck, der in Krankheiten wie Depressionen, Magersucht oder Flucht in Drogen endet. Währenddessen wird unsere nicht „deutsch“ aussehende Freundin rassistischen Kontrollen ausgesetzt und unser geflüchteter Mitschüler muss tagtäglich in der Angst leben, wieder in sein vermeintlich sicheres Herkunftsland abgeschoben zu werden.

Wir glauben, wir können eine bessere Zukunft schaffen und selbst organisieren. Dafür brauchen wir keinen härter durchgreifenden Staat, auch nicht mehr Polizei. Wir sollten endlich nicht mehr, wie es diese Gesellschaft will, gegeneinander, sondern miteinander für eine bessere Zukunft kämpfen. Wir brauchen klare Lösungsansätze und wollen statt Konkurrenzkampf eine solidarische Zukunft, in der die Bedürfnisse der Menschen im Vordergrund stehen und nicht der, der am meisten Geld hat, oder das, was am meisten Geld bringt.

Deshalb kommt mit uns am Kindertag, dem 1. Juni 2019, gemeinsam auf die Straße, um unseren Protest und unsere Wut auf die Straße zu tragen und gemeinsam ein Zeichen zu setzen! Für eine befreite solidarische Gesellschaft ohne Ausbeutung von Mensch und Natur! Gegen Polizeistaat und Krieg! Wenn wir nicht für unsere Zukunft kämpfen, wird es niemand tun! Fight for your future!